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Clickertraining

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Wie funktioniert Clickertraining?

Eine praktische Einführung
 
Wie funktioniert es?
Noch ausführlicher:

Mein Buch

Clickertraining - mehr als Spaß für Katzen


Ganz anschaulich:

Die DVD

Clickertraining - mehr als Spaß für Katzen
Erster Schritt: Die Katze lernt, was "Click" bedeutet

Bevor Sie den Clicker zu seinem späteren Zweck einsetzen können (nämlich, um der Katze zu sagen "Was du gerade tust, bringt dir Erfolg"), müssen Sie dafür sorgen, dass das Click-Geräusch eine ganz bestimmte Bedeutung für die Katze bekommt. Die Katze lernt, dass der Click ein Leckerchen ankündigt. Künftig wird sie immer, wenn sie "Click" hört, automatisch ein Leckerchen erwarten.
Im Fachjargon heißt das "Klassische Konditionierung".

Dazu nehmen Sie etwa zehn Leckerchen, die die Katze ganz besonders gern mag; möglichst klein und weich, damit sie schnell gegessen sind. Setzen Sie sich vor Ihrer Katze hin und nehmen den Clicker in die eine Hand, die Leckerchen in die andere, die Sie am besten hinter dem Rücken verstecken. Jetzt drücken Sie einmal den Clicker und geben anschließend sofort ein Leckerchen. Es ist wichtig, dass das Leckerchen wirklich innerhalb kürzester Zeit (höchtens eine Sekunde) bei der Katze ist, damit sie das Geräusch mit dem Leckerchen verknüpfen kann. Sobald die Katze aufgegessen hat, wiederholen Sie "Click" und Leckerchen, bis auf diese Weise alle Leckerchen aus der Hand aufgebraucht sind. Bis dahin hat Ihre Katze höchstwahrscheinlich längst begriffen, dass das Click-Geräusch ein Leckerchen ankündigt und fängt an, dieses zu erwarten. Sie ist jetzt auf den Clicker konditioniert.

Sollten Sie davon nichts sehen, machen Sie sich keine Sorgen. Selbst wenn Ihre Katze den Zusammenhang wirklich noch nicht vollständig verinnerlicht hat, wird sie dies beim späteren Training noch tun. In den allermeisten Fällen jedoch begreifen es die Katzen schon nach wenigen Clicks; nur lassen sich nicht alle anmerken, dass sie den Zusammenhang verstanden haben.

Diesen ersten Schritt müssen Sie nur einmal tun; es ist wie beim Fahrradfahren: Hat man es einmal gelernt, kann man künftig direkt losradeln. Vielleicht ist man nach einer langen Pause etwas aus der Übung, aber ganz verlernen tut man es nie. Ebenso verhält es sich mit dem Clickertraining.

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Auf zum nächsten Schritt: Jetzt kann das eigentliche Training losgehen!

Nachdem die Katze die Bedeutung des Clicks kennen gelernt hat (Click = Leckerchen), darf sie jetzt eine noch viel aufregendere Entdeckung machen: nämlich, dass sie selbst den Click hervorrufen kann. Bisher kam der Click aus Sicht der Katze völlig willkürlich. Das ändert sich jetzt. Künftig clicken Sie nicht mehr "einfach so", sondern nur noch in Verbindung mit einem bestimmten Verhalten, das Ihre Katze gerade zeigt. Welches das ist, können Sie sich im Prinzip aussuchen. Anfangs steht im Vordergrund, der Katze zunächst die Spielregeln dieses neuen Spiels zu erklären. Machen Sie es ihr also möglichst leicht.

Auch wenn Sie das Clickertraining schon mit einem ganz konkreten Ziel anfangen (vielleicht, um Ihrer Katze zu helfen, eine Verhaltensstörung zu überwinden), halten Sie sich unbedingt an diese Reihenfolge und beginnen Sie mit leichten Übungen, die Ihrer Katze Spaß machen. Umso besser wird das Clickertraining später helfen können. 

Sehr empfehlenswert ist es, für die ersten Einstiegsübungen Requisiten zu Hilfe zu nehmen. Gegenstände wecken fast automatisch die Neugier, und sehr wahrscheinlich wird bald ein erster Schritt in Richtung Erkundung unternommen (ein Beschnüffeln etwa). Genau darauf warten wir: Für diese erste Aktivität bekommt die Katze einen Click und ein Leckerchen, und bald wird sie merken, dass es kein Zufall war, dass er Click genau in dem Moment ertönte, als sie aktiv wurde. Es müssen keine besonderen Requisiten sein. Benutzen Sie, was Sie im Haus haben. Das kann beispielsweise ein Kochlöffel oder eine Fliegenklatsche sein, ein Handtuch, ein Pappkarton, eine Schüssel oder was Ihnen sonst noch so einfällt. Wichtig ist nur, dass die Katze sich vor dem Gegenstand nicht fürchtet.

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Das Timing

Beim Clickertraining ist eines von entscheidender Wichtigkeit: Das Timing. Das bedeutet, dass Sie wirklich genau in dem Moment clicken müssen, in dem die Katze das tut, wofür der Click bestimmt ist. Stellen Sie sich vor, Sie möchten, dass die Katze mit dem Kopf nickt (nein, es ist nicht wichtig, dass Ihre Katze das lernt, es ist nur ein Beispiel). Sie bewegt den Kopf hin und her, nach links, nach rechts, nach oben, nach unten, wieder nach links.... und das alles so schnell, dass es nicht möglich wäre, zum richtigen Zeitpunkt einfach ein Leckerchen zu reichen. Aber genau dafür haben Sie der Katze ja schon beigebracht, dass "Click" soviel bedeutet wie Leckerchen. Mit dem Clicker "bewaffnet" beobachten Sie nun Ihre Katze und clicken genau in dem Moment, in dem sie den Kopf senkt (anschließend bekommt sie natürlich das versprochene Leckerchen). Damit sie aber weiß, wofür sie es bekommt, ist es wichtig, dass der Click genau dann ertönt, wenn sie den Kopf gesenkt hat. Stellen Sie sich vor, der Knopf des Clickers ist der Auslöser eines Fotoapparats. Dann müsste zur Kontrolle, ob Sie auch schnell genug waren, auf dem Foto die Katze mit gesenktem Kopf zu sehen sein.
 
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Target-Training

Am Beispiel einer Fliegenklatsche schildere ich einmal einen möglichen Einstieg. Das Ziel dabei ist, dass die Katze zunächst lernt, dass es ihr Vorteile bringt, sich für den Gegenstand zu interessieren. Später soll sie ihn berühren und sich zu ihm hin bewegen und/oder ihm folgen, wenn Sie ihn bewegen. Im Fachjargon heißt diese Übung Target-Training (das englische Wort "target" bedeutet "Ziel").

Nehmen Sie den Clicker und die Leckerchen in eine Hand und halten Sie diese hinter Ihrem Rücken versteckt. Mit der anderen Hand bringen Sie nun die Fliegenklatsche wenige Zentimeter vor die Nase Ihrer Katze. Tun Sie dies mit einer eher langsamen Bewegung; die Katze soll nicht erschrecken oder zum Spielen animiert werden.

Beobachten Sie die ganze Zeit über die Katze ganz genau: Macht sie auch nur die leiseste Andeutung, sich für die Fliegenklatsche zu interessieren (das kann so wenig wie nur eine Augenbewegung oder ein Schnuppern sein), clicken Sie sofort und geben der Katze ein Leckerchen. Die Fliegenklatsche wird so lange von der Katze weg genommen; so gibt es keine Missverständnisse. Wenn die Katze aufgegessen hat, wiederholen Sie das Ganze; dann steigern Sie die Anforderungen:

Ab sofort clicken Sie nur noch, wenn die Katze ihren Kopf in Richtung Fliegenklatsche bewegt. Sehen Sie genau hin; vielleicht ist diese Bewegung nur ganz minimal. Nach einigen Wiederholungen beenden Sie Ihre erste Trainingseinheit. Die meisten Katzen bleiben anfangs sowieso nur sehr kurz bei der Sache; vielleicht eine Minute oder ca. zehn Leckerchen.

Falls Ihre Katze sogar schon früher den Ort des Geschehens verlässt, wundern Sie sich nicht. Das ist ziemlich normal und muss nicht heißen, dass Sie etwas falsch gemacht haben. Die Katze kennt das „Clickerspiel“ ja noch nicht und sieht vermutlich noch wenig Sinn in der ganzen Sache. Im Laufe der nächsten gemeinsamen Übungen wird sich das bald ändern.

Sobald Ihre Katze zuverlässig mit der Nase zur Fliegenklatsche geht, wenn Sie sie vor ihren Kopf halten, können Sie die Aufgabe allmählich schwieriger gestalten. Halten Sie die Fliegenklatsche nun auch einmal ein wenig höher, tiefer und zur Seite; anfangs nur wenige Zentimeter, und versuchen Sie, ob Ihre Katze sich dort hin reckt. Klappt auch dies, wächst der Abstand allmählich, bis die Katze schließlich aufstehen muss, um die Fliegenklatsche berühren zu können. Vielleicht folgt sie ihr sogar ein kleines Stückchen? Gratulation: Dann haben Sie das Target-Training gemeistert. Es kann Ihnen sowohl im weiteren Training als auch im Alltag gute Dienste leisten: So können Sie Ihre Katze leicht an einen bestimmten Ort dirigieren und/oder sie an einem Ort "halten" (ohne sie berühren zu müssen). Das kann beispielsweise für Körperpflege nützlich sein, hat aber auch sehr viele andere Einsatzmöglichkeiten.

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Das Shaping: Denksport für Katze und Mensch

Im Vergleich zum Target-Training verlangt das Shaping (zu deutsch "Formen") eines Verhaltens sowohl der Katze als auch dem Menschen eine größere Denkleistung ab. Hier geht es nämlich darum, ein (oftmals komplizierteres) Verhalten so aufzubauen, dass die Katze schrittweise selbst herausfindet, worum es geht. Geclickt wird zunächst nur ein Ansatzverhalten, und aus diesem wird dann das vom Trainer geplante Zielverhalten geformt. Vielleicht denken Sie jetzt, das klingt aber kompliziert und langwierig? Richtig umgesetzt, ist es aber unglaublich spannend und spaßig, und viele Katzen entwickeln eine unglaubliche Freude dabei, solche "Rätsel" zu lösen.

Wie sieht das Ganze nun in der Praxis aus?

Ein Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie möchten, dass Ihre Katze in eine Schüssel klettert. Vielleicht möchten Sie sie in dieser Schüssel wiegen; vielleicht machen Sie es aber einfach nur aus Spaß, als Beschäftigung für Ihre Katze.

Sie stellen die Schüssel vor die Katze auf den Boden (Clicker und Leckerchen sind natürlich einsatzbereit); neugierig wie sie ist, schaut sie hin – und hat schon ihren ersten Click samt Leckerchen verdient (Click und Leckerchen gehören immer zusammen; im Folgenden abgekürzt als "C+L"). Leckerchen verzehrt, nochmals zur Schüssel geguckt – nochmals C+L. Die Katze setzt sich und schaut Sie an. Nichts passiert. Sie lächeln und gucken zur Schüssel (Katze noch im Augenwinkel). Katze guckt auch zur Schüssel – wieder C+L. Jetzt hat es sozusagen "Klick gemacht": Die Katze schaut immer wieder zur Schüssel, wenn sie ihr Leckerchen verputzt hat.

Hier sind Sie an einem wichtigen Punkt angelangt. Würden Sie nun immer wieder für Blicke zur Schüssel clicken, wären Sie sozusagen in einer Sackgasse gelandet; warum sollte die Katze etwas anderes anbieten (oder gar in die Schüssel steigen, was ja Ihr eigentliches Ziel ist), wenn sie doch immer wieder mit dem Hinschauen erfolgreich ist...?

Sie müssen ihr jetzt sagen, das Hinschauen nicht mehr reicht. "Sagen" tun Sie das nicht durch Worte, sondern durch Clicks. Oder besser, in diesem Falle, durch fehlende Clicks. Wenn es jetzt einmal nicht clickt, ist dies auch eine Information für die Katze. Sie hat nämlich inzwischen gelernt, dass es ihr etwas einbringt, wenn sie aktiv ist und Dinge ausprobiert. Sie hat herausgefunden, dass sie Clicks und Leckerchen bekommt, wenn sie zur Schüssel guckt. Jetzt muss sie für C+L etwas mehr tun. Sie schaut also wieder, und dieses Mal clicken sie nicht. Die Katze wird sich wundern ("Hat doch immer funktioniert!?!?"). Wahrscheinlich probiert sie es noch einmal (das wirkt oft so, als würde sie sagen "Hallo!? Hast du nicht gesehen, was ich gerade getan habe? Guck mal, ich zeig's dir noch einmal"). Wieder kein Click. Oder... vielleicht hat sie diesen zweiten Versuch schon mit etwas mehr Nachdruck ausgeführt? Ist sie vielleicht sogar ein Stückchen Richtung Schüssel gegangen? C+L!

Kurz gesagt funktioniert Shaping so: Zuerst probiert die Katze aus, womit sie uns zum Clicken bringt. Sobald ein Verhalten uns als Ansatzverhalten für unser "Endprodukt" geeignet erscheint, sagen wir ihr das durch C+L. Sobald sie es begriffen hat und ohne Zögern zeigt (Kriterium: mindestens 8 Richtige von 10 Versuchen in weniger als einer Minute), erhöhen wir die Anforderungen. Das heißt, das bisher geclickte Verhalten bringt nun keinen Erfolg mehr. Da die Katze aber schon sicher ist, dass dieses Verhalten sich lohnen "muss", wird sie es noch einige Male probieren; meist mit kleinen "Abweichungen", z. B. mit mehr Nachdruck, schneller, weiter oder etwas in der Art. Dieses leicht veränderte Verhalten clicken wir dann wieder, wenn die Veränderung in die gewünschte Richtung geht. Von da an wiederholt sich das Ganze: Wenn die Katze das Verhalten auf dem neuen Level wieder zuverlässig zeigt, stellen wir das Clicken dafür ein und warten erneut auf eine Veränderung. So gelangen wir schließlich ans Ziel.

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Das Capturing: Verhalten "einfangen"

Nicht jedes Verhalten lässt sich gleichgut mit Target-Training oder über Shaping erreichen. Besonders wenn die Katze etwas ohne Requisiten tun soll, ist es oft schwierig, ihr zu "verclickern", was man möchte. Gähnen ist ein typisches Beispiel für ein solches Verhalten.

Hier schlägt die Stunde des "Capturing" (deutsch: Einfangen). Sie clicken einfach spontan, wenn die Katze ein Verhalten zeigt, das Ihnen gefällt. Anschließend holen Sie ihr ein Leckerchen. Bei mir zuhause stehen für diesen Zweck in jedem Raum kleine Schraubgläser mit Leckerchen bereit.

Da wohl niemand ständig einen Clicker in der Hand mit sich herumträgt, können Sie in solchen Momenten einfach mit der Zunge schnalzen. Folgt das Leckerchen, wird Ihre Katze dieses Geräusch ebenso verstehen wie den Clicker. Ich habe noch nie erlebt, dass ein Tier das nicht sofort umgesetzt hätte, und zwar ohne vorherige Konditionierung des Zungenclicks.

Wenn Ihnen das Schnalzen Schwierigkeiten macht, versuchen Sie es mit einem "Kussmund" und machen ein herzhaftes "Schmatz-Kuss-Geräusch".

Selbst wenn Sie für bestimmtes Verhalten Ihrer Katze nur hin und wieder clicken, wenn sie es gerade sehen: Ihre Katze wird das keineswegs vergessen! Schon bald werden Sie feststellen können, dass dieses spontan "eingefangene" Verhalten sich häuft.

Ein sehr praktisches Einsatzgebiet ist es übrigens, wenn Sie das Kratzen Ihrer Katze an einem dafür vorgesehenen Ort "einfangen". Jedenfalls, wenn sie die Angewohnheit hat, auch an weniger erwünschten Orten zu kratzen (Möbel?). Probieren Sie es aus: Bestärken Sie das Kratzen an erwünschten Orten, so oft sie es sehen, mit Clicks und Leckerchen, und ignorieren Sie das Kratzen an Möbeln. Statt zu schimpfen ist es besser, die Möbel überbrückungsweise durch Decken o. ä. zu schützen. Sie werden sehen: Bald wird Ihre Katze mehr und mehr dort kratzen, wo es sich durch Ihre Clicks und Leckerchen besonders für sie lohnt.

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© Birgit Laser 2011